Figur des hl. Jakobus d. Ä. am rechten Seitenaltar (Marienaltar)
Geschichtliches zum Kirchenpatron „hl. Jakobus d. Ä.“

Der hl. Jakobus d. Ä., Sohn des Zebedäus und der Salome, wurde gemeinsam mit seinem Bruder Johannes von Jesus in seinen Jüngerkreis gerufen (Mk l, 19—20); beide nannte der Herr wegen ihres stürmischen Wesens Donnersöhne (Mk 3, 17; vgl. Lk 9, 52—55; Mk 10,35-40). Mit seinem Bruder und mit Petrus gehörte Jakobus zum engsten Kreis von Jesu Vertrauten und war deshalb Zeuge bei besonderen Ereignissen im Leben des Messias: bei der Erweckung der Tochter des Jairus (Mk 5, 35-43), der Verklärung (Mk 9, 2—8) und der Todesangst Jesu am Ölberg (Mk 14, 32-42).
Als erster aus dem Kreis der Apostel erlitt Jakobus, wahrscheinlich um das Osterfest 44, in Jerusalem den Märtyrertod (Apg 12, 2). Danach setzt die Legende ein, wonach sein Leichnam in einem ungesteuerten Boot in den Nordwesten Spaniens gebracht worden sei. Dort, auf dem Sternenfeld (Compostela), sei nach 800 sein Grab wiederentdeckt worden, das sich neben Rom und Jerusalem zum bedeutendsten christlichen Wallfahrtsziel des Mittelalters entwickelte. Das machte Jakobus zum Patron der Pilger, und als solcher wird er selber auch dargestellt (mit Mantel und Hut samt Muschel sowie Wanderstab und Wasserflasche).

 

Baugeschichte der Kirche
Grundriss

Von der romanischen Kirche des 12. Jahrhunderts ist nicht‘ Näheres bekannt. In der Zeit der Spätgotik jedenfalls wurde die Kirche neu erbaut, die Formen des erhaltenen Chorraumes verweisen in die Zeit nach 1500.
Die Barockzeit bemühte sich vor allem um die Erneuerung der Inneneinrichtung; so wurde 1690 ein neuer Hochaltar angeschafft (s. u.), 1697 eine Orgel, 1703/04 neue Seitenaltäre. 1710 stürzte infolge des Marktbrandes der Turmhelm auf das Langhaus und durchschlug das Gewölbe. Die Reparaturarbeiten geschahen umgehend, sodass 1712 ein neuer Marienaltar und 1713 ein Florianialtar aufgestellt wurden sowie 1725 eine Kanzel.
Allerdings befriedigte ein Jahrhundert später der Anblick und der Zustand des Langhauses nicht mehr; man entschloss sich, einen Neubau zu errichten, der 1839—1841 ausgeführt wurde. Die Finanzierung übernahm Carolina Augusta, die Witwe nach Kaiser Franz, die sich auch sonst als großherzige Gönnerin ihrer Untertanen erwies. Die feierliche Weihe erfolgte 1841.
Damals erhielt die Kirche im Großen und Ganzen das Aussehen, das ihr bis heute eigen ist, wobei aber auch im 20. Jahrhundert Veränderungen durchgeführt wurden (Anschaffung diverser Figuren, 1928/29 Einsetzen neuer Fenster, 1932 Umbau des Hochaltares, 1961 Neumarmorierung der Altäre, 1981 Innenrenovierung, 1998 Außenrestaurierung, 2001 Neuordnung des Altarraumes und Volksaltar). Leider gingen auch einige Kunstwerke verloren, vor allem Gemälde und eine spätgotische Johannesstatue.

 

Beschreibung

Die östliche Begrenzung des Marktplatzes bildet das Gotteshaus, an das sich ostwärts der Friedhof anschließt; dort steht die interessante Gruftkapelle der Familie Strasser (heute Aufbahrungshalle) in schlichten Jugendstilformen. Das Kirchengebäude selbst gliedert sich in das kubische Langhaus und den östlich anschließenden, deutlich niedrigeren Altarraum, dem im Norden die Sakristei und im Süden der Turm angefügt sind.
Schon am Äußeren sind die zwei großen Bauphasen erkennbar: In seiner blockhafteleganten Erscheinung, der sparsamen Lisenen- und Faschengliederung an der Westfassade, der einfachen Strukturierung durch Rundbogenfenster an den Seitenwänden und dem kantig-profilierten Kranzgesims ist das Langhaus deutlich als architektonisches Werk des Biedermeier zu erkennen. Auch die ganz schlichte Sakristei stammt aus dieser Phase.

Ganz anders der Turm und vor allem der Chor Presbyterium bzw. Altarraum in größeren Kirchen Ort des Chorgebetes): Die Spitzbogenfenster und deren abwechslungsreiches Maßwerk weisen diesen Bauteil als Werk der Spätgotik aus. Das Fehlen von Strebepfeilern —die Eckquader sind stilgerecht geschlämmt, d. h. mit einer Kalktünche überzogen —deutet auf die Entstehung in der letzten Phase der Gotik, also nach 1500, hin, was vor allem im Inneren deutlich wird. Der Turm mit seinen Schlitzfenstern und den segmentbogigen Schalllöchern ist offensichtlich ebenfalls zu dieser Zeit entstanden. Der spitze Helm wurde 1927 nach dem Vorbild von 1835 (?) neu errichtet.
An der Südseite ist der Grabstein für den Schulmeister Emanuel Johann Fischer( 1679) angebracht. An der Westwand neben dem Hauptportal fand eine barocke Steinfigur des hl. Johannes von Nepomuk (Patron des Beichtgeheimnisses, t 1393 als Märtyrer in Prag) aus dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts Aufstellung.
Das schlichte, rechteckige Hauptportal führt in der Mitte der Westwand ins Innere der Kirche. Die lateinische Inschrift im Bogenfeld darüber lautet übersetzt: „Österreichs frommer Kaiser und König errichtete für Jakobus den Älteren diesen Tempel“. Die größeren Buchstaben, zugleich lateinische Ziffern, ergeben die Jahreszahl 1840.

Chorgewölbe, „Steyrer Kassette“ und Schlusssteine: Tiersymbole für die Evangelisten Markus und Lukas (Löwe und Stier) sowie in der Mitte das Haupt des Kirchenpatrons mit dem charakteristischen Pilgerhut

Auch im Inneren fällt der stilistische Unterschied zwischen Chor und Langhaus auf. Der Altarraum ist in zwei Joche gegliedert und endet in drei Seiten eines Achtecks. Das Rippengewölbe bildet den besonderen Schmuck des Gotteshauses. Rippengabeln führen jeweils zum zentralen Feld, der Chorgewölbe, „Steyrer Kassette“ und Schlusssteine: Tiersymbole für die Evangelisten Markus und Lukas (Löwe und Stier) sowie in der Mitte das Haupt des Kirchenpatrons mit dem charakteristischen Pilgerhut Steyrer Kassette (mit eingeschriebenem Karo-Motiv). Die Figur heißt so, weil sie den Seitenschiffen der Stadtpfarrkirche Steyr, gewölbt um 1480, erstmals auftritt. Als Auflager fungieren Runddienste, die freilich in der Mitte der Längswände bei Anbringen des Chorgestühls offensichtlich entfernt wurden; die Verbindung bilden korbförmige Kapitelle, die als wuchernde Blattranken, ähnlich den Schleierbrettern bei gotischen Flügelaltären, gestaltet sind. Ihre durchbrochene, stark plastische Durcharbeitung ist als Meisterleistung der Steinmetzkunst anzusehen. Ähnliche Kapitelle sind auch in der um 1515 vollendeten Piaristenkirche zu Krems anzutreffen, wo das Wirken der Wiener Dombauhütte als gesichert erscheint.

Dass in Nöchling ein wahrlich guter Bildhauer am Werk war, ist zudem an den zwei Maskenkonsolen in den Ecken zum Triumphbogen zu sehen, welche dort die Kapitelle tragen und als Symbole für das überwundene Böse bzw. als Abwehrmittel gegen dämonische Mächte aufzufassen sind. Ihre bizarr-fratzenhafte Ausführung ist von höchster Qualität.

Maskenkonsole

Ähnliches ist vom Schlussstein im westlichen Joch zu sagen, wo ebenfalls Maskenkopf und Rankenrahmung kunstvoll verschlungen sind. Im östlichen Joch sind bei nicht ganz so hoher Qualität seitlich die Tiersymbole für die Evangelisten Markus und Lukas, also Löwe und Stier, gezeigt, im Zentrum hingegen das Haupt des Kirchenpatrons mit dem charakteristischen Pilgerhut.
Im Chor fallen auch die zwei Runddienste auf, die funktionslos im östlichen Joch stehen. Vielleicht wurden sie von einem Vorgängerbau übernommen oder nach einem Planwechsel einfach stehengelassen; durch das Maskenkonsole Aufsetzen von Rankenkapitellen konnten sie als Figurenkonsolen dienen: Die zwei kleinen Statuen vom rechten Seitenaltar hatten hier bis ins 20. Jahrhundert ihren Platz.

Zur spätgotischen Ausstattung des Chores gehört auch noch die rechteckige Sakramentsnische samt verstäbter, steinerner Rahmung und originalem schmiedeeisernem Türchen; hier war bis ins 17. Jahrhundert der Aufbewahrungsort für das Allerheiligste.
Das biedermeier-klassizistische Langhaus ist durch stark ausgreifende Wandpfeiler mit vorgelegten Doppellisenen in drei Joche gegliedert; ein Kreuzgratgewölbe, von doppelten Gurtbändern rhythmisiert, spannt sich über den Raum. Die dreiarmige Westempore ist mit böhmischen Kappen (= Platzl) unterwölbt.

 

Einrichtung

Zentraler Blickpunkt ist der Hochaltar, der eine bewegte Geschichte aufzuweisen hat: 1690 fertigte, wie sowohl aus einer 1932 gefundenen Inschrift als auch aus den Kirchenrechnungen hervorgeht, der Ybbser Tischler SEBASTIAN KAUNIGGER (auch Kaminger bzw. Kanschnigg) einen neuen barocken Hochaltar mit zweigeschossigem, säulenflankiertem Aufbau und zwei Ölgemälden. Den inzwischen mehrfach veränderten Altaraufbau ließ Pfarrer Josef Grießler 1932 durch den Amstettner Bildhauer und Vergolder VALENTIN TSCHADESCH zu einer Umrahmung für das Fenster umgestalten, wo die FIRMA RUDOLF NAGL, Wien, figurale Glasscheiben einsetzte. So stellt sich das Ensemble heute wie folgt dar: Der gemauerte spätgotische Altarblock ist sarkophagförmig verkleidet und trägt den Tabernakel , der 1800 in ungewöhnlicher Kombination von nachhinkenden bewegten Rokokoformen und zeittypischen klassizistischen Ornamenten (Zopfband, Rosetten) angefertigt wurde. Die Putto- und Engelsfiguren, großteils barock, wurden durchwegs nachträglich darauf angebracht.

Ansicht der Pfarrkirche vor der Umgestaltung des Hochaltars

Der stark veränderte Aufbau an der Stirnwand übernahm vom alten Bestand die Sockeln, Säulen und die zwei qualitätvollen bewegten Barockfiguren der hll. Joachim und Anna (Anfang des 18. Jahrhunderts); diese könnten auf Grund ihrer Größe und Thematik (die Eltern der Gottesmutter!) vom früheren Marienaltar stammen. Das zentrale Fenster zeigt zwei wichtige, in der Hl. Schrift überlieferte Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons: als Zeuge bei der Verklärung Jesu und dessen Gebet am Ölberg; darunter ist, vom Tabernakel weitgehend verdeckt, die Nöchlinger Kirche und das Gehöft der Stifter des Fensters (Pritzenhof) dargestellt.

Den Altar, um den sich die gläubige Gemeinde heute zur Eucharistiefeier versammelt, und den Ambo als Ort der Verkündigung des Wortes Gottes verfertigte 2000/2001 der ortsansässige Tischlermeister JOHANN GSCHOSSMANN.

Im Chorraum sind neben dem großen neugotischen Kruzifix (um 1900) auch noch zwei Gemälde angebracht, die jeweils den Kirchenpatron Jakobus darstellen: In jenem an der Südwand (um 1700) ist er auf einem Thron sitzend zu sehen; Engel halten eine Krone über ihm, weiters Schwert und Palme als Hinweis auf sein Martyrium sowie einen Schild mit der Aufschrift „Pro Salute Ejus Transmissisti Me Domine“ („zu seinem Heil hast du mich ausgesandt, Herr“; vgl. Tob 12,14). Diese Worte sind dem Apostel gleichsam in den Mund gelegt und beziehen sich wohl darauf, dass Jakobus der Legende nach kurze Zeit selber als Missionar beim spanischen Volk tätig gewesen ist. Palme und Krone sind Siegeszeichen: Die Märtyrer haben den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten (2 Tim 4,7—8) und so die Krone des Lebens errungen (Jak 1,12; Offb 7,9).

Hochaltar

Das Gemälde bildete vor 1932 das Zentrum des Hochaltaraufbaus und wurde damals samt dem inzwischen verloren gegangenen Oberbild (Heiligste Dreifaltigkeit) am jetzigen Ort angebracht.
An der Nordwand hängt ein weiteres Jakobusgemälde, das die Signatur des Künstlers JOHANN NEPOMUK MAISCHBERGER und die Jahreszahl 1847 trägt. Da es mit dem gerade erwähnten Bild im Format völlig übereinstimmt, dürfte es als Altarblatt gedacht gewesen, dort aber nie eingesetzt worden
sein vielleicht deshalb, weil es in seiner klassizistisch-nazarenischen, etwas starren und kühlen Art mit dem ansprechenden Barockbild nicht konkurrieren konnte.

Die schlichte marmorierte Kanzel stammt aus der Bauzeit des Langhauses. Den Korb schmücken Gemälde der Evangelisten Matthäus, Markus und Johannes (der vierte Evangelist, Lukas, fehlt auffallenderweise); am Schalldeckel verweisen zwei Putti mit den Gesetzestafeln des Mose einerseits und dem Kreuz andererseits auf die Offenbarung Gottes im Alten und Neuen Bund.
Die Darstellung des Guten Hirten als Bekrönung, ein typisches Bildmotiv des Josephinismus und der Biedermeierzeit, ist Sinnbild für die nachgehende und fürsorgende Liebe Gottes, an der sich die Gläubigen zu orientieren haben.

Pfarrkirche
Pfarrkirche innen

Die Seitenaltäre dürften jene sein, die 1712/13 angeschafft wurden; man hat sie jedoch mehrfach verändert und vor allem den Figurenschmuck und die Marmorierung erneuert. Die alten Altarbilder aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Florian, Joseph) sind verschollen.
Der linke Altar hat im Zentrum die 1940 von JOSEPH SCHAGERL geschaffene Herz-Jesu-Figur; das Oberbild „hl. Friedrich“ malte THEODOR PETER 1840, es ist eine Stiftung des Maurermeisters Joseph Poschenreithner. Im Jahr 2000 schnitzte FRANZ GRUBER die flankierenden Statuen der Apostelfürsten Petrus und Paulus.

Der hl. Friedrich war Bischof von Utrecht und starb als Opfer politischer Intrigen um 835.

Die Apostelfürsten Petrus und Paulus gelten, auch wenn ihr gemeinsamer Märtyrertod (Petrus: Kreuzigung mit dem Kopf nach unten; Paulus: Enthauptung) nur legendär ist, als die Häupter der christlichen Urgemeinde in Rom, wo sie auch begraben sind. So wurden sie die Stützpfeiler der Kirche, zumal der Bischof von Rom, der Papst, den Auftrag Jesu an Petrus „Weide meine Schafe“ (Joh 21, 15—17) und die Schlüsselgewalt (Mk 16,13—19) weiterführt.

Marienaltar (rechter Seitenaltar)

Der rechte Altar ist der hl. Jungfrau Maria gewidmet. In der Mittelnische steht die 1870 geschaffene Statue der Gottesmutter mit dem Jesuskind, ein typisches Werk des Historismus. Das Oberbild zeigt den „heiligen Wandel“, also die Rückkehr der hl. Familie aus Ägypten (Mt 2, 19—23). Seitlich davon stehen Figuren des Kirchenpatrons Jakobus (1. Hälfte des 17. Jahrhunderts) und des hl. Johannes von Nepomuk (Mitte des 18. Jahrhunderts).

Über dem Triumphbogen ist die Figurengruppe der Heiligsten Dreifaltigkeit (um 1900) nach dem Typus des Sonntagberger Gnadenstuhles angebracht.
An den Wandpfeilern des Langhauses stehen Heiligenfiguren aus verschiedenen Epochen: südseitig (rechts) die hll. Josef (von Anton Wurm, 1942) Michael (18. Jahrhundert), Aloisius und Judas Thaddäus (jeweils um 1900), an der Nordseite Sebastian, Antonius der Einsiedler (jeweils 18. Jahrhundert) und Florian (20. Jahrhundert), sowie unter der Orgelempore eine Pieta (um 1900).
Der Erzengel Michael wird im Alten Testament (Dan 10, 13) und in der Offenbarung des Johannes (Offb 12, 7—9) als Streiter Gottes erwähnt, als Überwinder des abgefallenen Engels Luzifer und als Seelenführer. Da sein Festtag, der 29. September, ein wichtiges Datum für die Erntearbeit bildet, wird er auch von der ländlichen Bevölkerung besonders verehrt.

Der hl. Aloisius (1568—1591) aus der Herzogsfamilie Gonzaga in Mantua verzichtete auf seine weltlichen Herrschaftsrechte, trat in den Jesuitenorden ein und starb noch vor seiner Priesterweihe bei der Pflege von Pestkranken. Er ist Patron der Jugend.

Der Apostel Judas Thaddäus wird als himmlischer Fürsprecher in allen aussichtslos scheinenden Situationen angerufen.

Der hl. Sebastian wurde unter Kaiser Diokletian um 304 wegen seines Glaubens gemartert. Der Beschuss mit Pfeilen regte die Menschen des Mittelalters an, ihn als Patron gegen Pest und andere Seuchen anzurufen, da man diese als Strafpfeile Gottes auffasste. Über Sebastians Grab an der Via Appia entstand eine der sieben Hauptkirchen Roms.

Konsolfigur des hl. Antonius des Einsiedlers

Antonius der Einsiedler (auch „der Große“, 251—356) ist der bedeutendste unter jenen ersten christlichen Mönchen, die in der ägyptischen Wüste ein Gott geweihtes Leben führten. Im südlichen Waldviertel wird er mit dem hl. Leonhard als Viehpatron sehr verehrt.

Florian war hoher Verwaltungsbeamter in Aelium Cetium, der römischen Vorgängerstadt des heutigen St. Pölten. Sein Märtyrertod im Ennsfluss um 304 ist Grund dafür, dass er bei Feuersgefahr angerufen wird. Auch alle mit dem flammenden Element verbundenen Berufsgruppen (Rauchfangkehrer, Bierbrauer, Feuerwehr) verehren ihn als Patron.

Der Bildtypus der Pieta entwickelte sich aus der Frömmigkeit des 14. Jahrhunderts, wo besonders das Leiden des Gottessohnes und seiner Mutter betrachtet wurde. Die Figurengruppe schildert die legendäre Szene am Abend (daher auch „Vesper-Bild“) des Karfreitags, wo Maria ihren toten Sohn betrauert.

In die Fenster des Chores und Langhauses wurden 1928 /29 durch die Firma R. Nagl Glasgemäldescheiben eingesetzt, die in dieser Zeit beliebte Heilige zeigen. So sind in den Medaillons der Chorfenster dargestellt: die hll. Theresia v. Lisieux, Elisabeth v. Thüringen, Antonius d. Gr., Leopold, Anna und Joachim; im Langhaus die hll. Hippolyt, Isidor v. Madrid, Antonius v. Padua, Katharina, Notburga und Cäcilia.

Theresia vom Kinde Jesu (1873—1897) war Karmelitin in Lisieux. In ihrer Selbstbiographie schreibt sie, wie sie den Weg des Kindseins vor Gott entdeckte, aber genauso über ihr tägliches Streben nach der Erfüllung des Willens Gottes in den kleinen Dingen.

Elisabeth (1207—1231), ungarische Königstochter, hat, beeinflusst von der franziskanischen Bewegung, in ihrer Stellung als Landgräfin von Thüringen den Armen und Bedürftigen ihre besondere Zuwendung gezeigt und gilt so als Patronin und Vorbild christlich motivierter Nächstenliebe.

Leopold III. (1073—1136), Markgraf von Österreich aus dem Haus der Babenberger, gilt als treu sorgender Familienvater sowie kluger und friedliebender Landesherr; seit 1663 ist er Landespatron von (Nieder-)Österreich.

Joachim und Anna, die Eltern Mariens, sind in der Hl. Schrift nicht erwähnt, sehr wohl aber in legendenhaften Überlieferungen. Als Großeltern Jesu und als Vorbilder eines gläubigen Familienlebens, in dem der Geist göttlicher Berufung Heimat finden kann, werden sie seit der Kreuzzugszeit auch in Westeuropa verehrt.

Ehem. Altarbild, um 1700, an der Südwand des Chorraumes mit der Darstellung des hl. Jakobus d. Ä.

Hippolyt war bedeutender Theologe in Rom und starb 235 als Märtyrer. Die Legende machte ihn zum Offizier, der von Pferden zu Tode geschleift worden sei. Er ist der alte Klosterpatron von St. Pölten (z St. Hippolyt) und seit ihrer Gründung 1785 Patron der Diözese.

Isidor (ca. 1070—1130), frommer Bauer in Madrid, ist Patron der in der Landwirtschaft Tätigen.

Antonius v. Padua (1195—1231), der große Wundertäter aus dem Franziskanerorden, wird in vielen schwierigen Lebenssituationen um himmlischen Beistand angerufen.

Katharina, altchristliche Blutzeugin in Alexandrien, soll mit ihrer Weisheit die größten heidnischen Philosophen ihrer Zeit widerlegt haben. Ihr Martyrium auf dem Rad ist Anlass für ihre Verehrung durch die Wagner und Müller; ihr Gedenktag am Ende des Arbeitsjahres (25. November) macht sie zur beliebten Heiligen der bäuerlichen Bevölkerung.

Bei der hl. Notburga (1268—1313) rührt diese Verehrung daher, dass sie selber bei Bauern in Tirol als Magd im Dienst gestanden ist; als solche wurde sie zur Anwältin gegen Ausbeutung und zur Verfechterin einer christlichen Lebensordnung (Sichelwunder!).

Die hl. Cäcilia, römische Märtyrerin (t um 190), ist Patronin der Kirchenmusik.

Die einmanualige Orgel mit 7 Registern auf der Westempore schuf 1908/1909 der Wiener FRANZ JOSEPH SVOBODA.

Zu erwähnen sind noch der spätgotische Taufstein aus rotem Marmor beim Triumphbogen sowie die beiden ausgezeichneten Glasluster aus dem 19. Jahrhundert. Der Kreuzweg stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist eine Kopie nach dem berühmten Vorbild von Josef Führich in der Johannes-Nepomuk-Kirche in Wien II.

Ungewöhnlich ist in der Pfarrkirche Nöchling das Aufeinandertreffen verschiedenster Stilrichtungen in Architektur und Einrichtung. Es rührt daher, dass hier jede Generation das ihre tat, um ihr Gotteshaus seiner funktionalen Würde entsprechend auszugestalten, nämlich als Ort, an dem sich die Gläubigen, dem Auftrag Jesu gemäß, mit ihm und um ihn versammeln zur Feier der hl. Mysterien.

Herbert Berndl

 

Quellen:
Kirchenrechnungen der Pfarrkirche Nöchling (Diözesanarchiv St. Pölten). — Memorabilienbücher der Pfarre Nöchling (Pfarrarchiv Nöchling). — Inventarverzeichnis von Pfarrkirche und Pfarrhof in Nöchling 1990 (Bischöfl. Ordinariat St. Pölten).

Literatur:
Österr. Kunsttopographie, Bd. IV, Wien 1910, S. 124—126. — P. Martin Riesenhuber, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923, S. 211. — Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt, Bd. IX (1911), S. 193, Bd. XI (1932), S. 510, Bd. XII (1939), S. 670-674.- Hippolytkalender 1969, S. 70. – Wilhelm zotti, Kirchliche Kunst in NÖ, Bd. 2, St. Pölten-Wien 1986, S. 267-268. – Franz Eppel: Das Waldviertel, Salzburg 19899, S. 178—179. — Dehio NÖ nördlich der Donau, Wien 1990, S. 799—800. — Andreas Schachenhofer, Die Geschichte der Pfarre Nöchling, Theol. Proseminararbeit, St. Pölten 1991/92. — Gerhard Floßmann (Schriftleitung), 1000 Jahre Nochilinga 998—1998, Dorfstetten-Nöchling-St. Oswald-Yspertal 1998.
Der Autor dankt für vielfältige Unterstützung: Dr. Thomas Aigner, Diözesanarchiv St. Pölten; Dr. Gerhard Floßmann, Loosdorf; Pfr. Mag. Johann Grülnberger, Nöchling; Dr. Johann Kronbichler, Diözesanmuseum St. Pölten; Mag. Andreas Schachenhofer, Säusenstein; Mag. P. Jacobus Tisch, Seitenstetten-Ybbsitz; Dr. P. Benedikt Wagner, Seitenstetten.

 

Textauszug und Bilder aus dem Kirchenführer „Christliche Kunststätten Österreichs — Pfarrkirche zum hl. Jakobus d. Ä. in Nöchling — Nr. 381“
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