Ganz im Südwesten des Waldviertels, im Strudengau, hoch über dem Donautal auf einer Anhöhe mit prächtigem Fernblick zur Alpenkette liegt der Pfarrort Nöchling, der seit 1842 Marktrechte besitzt. Die Gegend ist noch stark landwirtschaftlich geprägt und zieht ob der ruhigen Lage und der gesunden Luft im Sommer Erholung suchende Gäste an.

Pfarrkirche zum hl. Jakobus d. Ä., Aussenansicht von Osten

Das Gebiet von „Nochilinga“ erstreckte sich vom Sarmingbach (heute OÖ.) bis zur großen Ysper und war altes Königsgut.
Der Name geht sicher auf den Anführer einer Siedlerkolonie bzw. einer Sippschaft zurück, die im Zuge der bayrischen Besiedlung die Gegend kultivierte die Siedlungsform der Weiler und Einzelhöfe sowie die Vierkanthöfe verraten bis heute die bayerische Tradition.
Die Besiedlung erfolgte nach den Eroberungen Karls des Großen, also um 800, wobei das neu gewonnene Gebiet dem König bzw. Kaiser zufiel, der es üblicherweise als Lehen weitergab.
Kaiser Otto III. suchte nach den Ungarnstürmen, die 955 mit der Schlacht auf dem Lechfeld endgültig überwunden worden waren, den Ausbau und die Kultivierung der südöstlichen Randgebiete seines Reiches zu fördern.
Zu diesem Zweck schenkte er 998 seinem Vetter, Herzog Heinrich von Bayern, sein Gut „Nochilinga“ im Gebiet von „Osterriche“ (vgl. die älteste Nennung „Ostarichi“ in der berühmten Neuhofener Urkunde 996, also nur zwei Jahre vor dem Nöchlinger Dokument!). Hauptort war die ebenfalls Nöchling genannte Siedlung um die Oswaldkirche ob der Ysper. Aus nicht näher bekannten Gründen ging spätestens im 12. Jahrhundert der Name auf jenen Ort über, der zuvor, der Lage entsprechend, Oberndorf hieß; die dementsprechenden Orte Mitterndorf und Niederndorf bestehen bis heute.

1160 errichtete der Bischof von Passau im Zusammenhang mit der Kirchweihe die Pfarre St. Oswald (damals noch „Nochilingen„); ihr war die Jakobuskirche zu Oberndorf, dem heutigen Nöchling, als Filiale zugeordnet. Um sie herum bildete sich in weiterer Folge aber ebenfalls ein eigener Seelsorgesprengel, für den 1395 urkundlich ein Pfarrer erwähnt wird.
Das alte Gut „Nochilingen“ zerfiel im 12. Jahrhundert in mehrere Herrschaftsgebiete, die an verschiedene Klöster und vor allem an den Landesfürsten (Babenberger!) gingen; der Westteil kam ziemlich geschlossen an das Augustiner-Chorherrenstift Waldhausen und wurde daher später, bei der Fixierung der Grenze zwischen Ober- und Niederösterreich, ein Teil des Landes ob der Enns.

Um 1600 vollzog sich die Wiedervereinigung der Herrschaftsgebiete. Damals erwarb die Familie Hoyos, die mit Kaiser Ferdinand I. aus Spanien gekommen war, unter anderen auch die Grundherrschaften Rorregg, Yspertal und Wimberg und formte so ein relativ geschlossenes Gebiet mit dem Hauptverwaltungssitz im Schloss Persenbeug. Mit den Grundherrschaften erwarben die Hoyos, die den katholischen Glauben nachhaltig förderten, auch die Patronatsrechte über mehrere Pfarren des Gebietes, so auch über Nöchling. Dieses war zwar de facto längst selbständige Pfarre, der Seelsorger wurde aber vom Pfarrer von St. Oswald präsentiert, also dem Bischof zur Einsetzung vorgeschlagen, hatte jenem 5 Gulden jährlich zu zahlen und hieß offiziell Vikar, der Seelsorgesprengel folglich Vikariat.

1681 vermehrte Graf Leopold Karl Hoyos den Grundbesitz der Pfarrpfründe zu Nöchling und erhielt daraufhin zu seinen Patronatspflichten (Erhaltung des Kirchengebäudes, Unterhalt für den Pfarrer) vom Bischof auch das Präsentationsrecht verliehen; seither spricht man von der selbständigen Pfarre Nöchling.
Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Hoyos auf Persenbeug kaufte 1800 Kaiser Franz II. die entsprechenden Herrschaften für den habsburgischen Privat- und Familienfonds. Seither bis zur Ablöse 1998 übte die kaiserliche Familie Habsburg-Lothringen das Patronat aus.

 

Textauszug und Bilder aus dem Kirchenführer
„Christliche Kunststätten Österreichs — Pfarrkirche zum hl. Jakobus d. Ä. in Nöchling — Nr. 381“

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